Luftfrachtverkehr auf Kosten von Mensch und Umwelt  

Komfort mit Schattenseiten
Am Abend bestellt, am nächsten Morgen da? Solch schnelle Warenlieferung wird unter anderem durch das DHL Hub ermöglicht, das 2008 in Schkeuditz bei Leipzig als das größte von insgesamt drei internationalen Frachtdrehkreuzen eröffnet wurde.
Am Flughafen Leipzig/Halle arbeiten rund 6200 Menschen, davon 5700 bei DHL. Der Frachtfluganteil beträgt 82 Prozent. Geflogen wird vorwiegend nachts. Pro Nacht landen durchschnittlich 160 Flugzeuge, werden entladen und neu beladen und starten dann im Zwei-Minuten-Takt, zwischen 3 und 6 Uhr. Schätzungsweise 1,5 Mio. Menschen sind im Großraum Leipzig-Halle von nächtlichem Fluglärm betroffen.
Entwicklung der Lärmbelastung der letzten 5 Jahre (2015-2019):
- 30% Anstieg der nächtlichen Starts und Landungen
- 35% Anstieg der besonders lauten und schadstoffintensiven Maschinen (Heavy) 95 % der nächtlichen Starts zwischen 00:00 und 05:00 Uhr erfolgten von der stadtnahen Südbahn
Nächtliche Lärmbelastung
Dabei gehen Dauerlärm und Lärmspitzen weit über die von der Weltgesundheits-organisation (WHO) empfohlenen Schallpegel hinaus: Der nächtliche Dauerlärm liegt im Nachtlärmgebieten, wie etwa Schkeuditz, Schkopau, Kabelsketal bei bis zu 60 Dezibel, mit Lärmspitzen über 80 Dezibel. Außerhalb des Nachtlärmgebietes, z.B. in den nördlichen Orts- und Stadtteilen von Leipzig, Halle-Ost, liegt dieser bei 50 Dezibel, mit Lärmspitzen von 70 Dezibel und mehr. Die WHO empfiehlt, dass der Nachtfluglärm auf weniger als 40 dB(A) reduziert werden soll. Das Umweltbundesamt fordert ein generelles Nachtflugverbot für stadtnahe Flughäfen.
Gesundheitsrisiken
Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen, Schlafstörungen, Krebserkrankungen sowie Entwicklungsstörungen bei Kindern sind die wichtigsten Gesundheitsschäden, die im Umfeld von Flughäfen und vor allem bei nächtlichem Fluglärm vermehrt auftreten. Der menschliche Organismus reagiert im Schlaf auf Lärm viel empfindlicher als im Wach-zustand. Bereits ein Schallpegel ab 35 Dezibel führt beim schlafenden Menschen zu vermehrter Ausschüttung von Hormonen wie Cortisol und Adrenalin. Lesen Sie hierzu die Präsentation zum lärmmedizinischen Gutachten von Prof. Dr. med. Thomas Münzel, Universität Mainz. Zu Risiken durch Ultrafeinstaub verweisen wir auf diesen Artikel.
>>> Vortrag Prof. Münzel zu Gesundheitsrisiken Ma Flughafen Leipzig-Halle <<<
Klimaschäden
Laut CO2-Statistik des Länderarbeitskreis Energiebilanzen entfielen in Sachsen 2017 ca. 25% der CO2-Emissionen im Verkehrssektor auf den Luftverkehr. Hauptverursacher ist der Flughafen Leipzig-Halle. Strahltriebwerke schädigen in Reiseflughöhe das Klima mehr als die reinen CO2-Emissionen. Das Umweltbundesamt (UBA) gibt dafür einen Faktor (RFI) von 3,14 an. Eine Tonne Flugzeug-CO2 ist so klimaschädlich wie 3,14 Tonnen Auto-CO2. Daraus folgt: Der CO2 Ausstoß beträgt aktuell jährlich etwa 6,2 Mio. Tonnen, nach Ausbau 10 Mio. Tonnen. Das ist fast so viel wie das Kraftwerk Lippendorf ausstößt und entspricht einem Klimaschaden von 1,8 Mrd. EUR. Das Umweltbundesamt berechnet die Klimafolgekosten mit 180 EUR/Tonne CO2. Der nach dem LTO-Zyklus (Verfahren zur Ermittlung der Triebwerksemissionen) im direkten Umfeld des Flughafens (bis ca. 10km) verursachte CO2-Ausstoß liegt aktuell bei ca. 130.000 Tonnen/Jahr. Das entspricht etwa dem Abgasausstoß von 90.000 Mittelklasse-PKWs. Daher gilt der Flughafen LEJ als der klimaschädlichste Flughafen Deutschlands.
Kaum gehörte Bürger*innen
Rund ein Dutzend Bürgerinitiativen kämpfen, seit dem die damalige sächsische Regierung DHL mit vorteilhaften Konditionen nach Sachsen bat, mit Petitionen, Demonstrationen und auf dem Rechtsweg gegen die Gesundheitsbeeinträchtigungen. Zur Zeit werden sie wieder hörbarer, denn die Pläne für einen weiteren Ausbau des Flughafens wurden im Sommer 2020 bei der Landesdirektion Sachsen eingereicht.
Noch mehr Lärm- und Schadstoffemissionen, noch mehr Treibhausgase?
Unter anderem sollen die derzeit 60 Stellplätze auf 96 erweitert werden. Die Anzahl der Starts und Landungen würde von 79.000 im Jahr 2019 auf 118.000 im Jahr 2032 ansteigen. (1)
Defizite auf Kosten der Allgemeinheit
Die Mitteldeutsche Flughafen AG befindet sich komplett in öffentlicher Hand. Gesellschafter sind Sachsen mit 72,29 Prozent, Sachsen-Anhalt 18,54 Prozent, Leipzig 2,1 Prozent, Dresden 1,87 Prozent, Halle 0,2 Prozent. Verluste 2005- 2014 570 Mio. EUR laut Wirtschaftsmagazin Capital (2), 2015-2019 671,2 Mio. EUR (3). Der Ausbau soll rund 500 Mio. EUR kosten, aus Rücklagen und Krediten erfolgen und geht über Abschreibungen wieder zu Kosten der Steuerzahler*innen.

Quellen
(1) Flyer „Was der Ausbau des Frachtflughafens Leipzig-Halle für uns Anwohner bedeutet“ (April 2020)
(2) https://www.capital.de/wirtschaft-politik/regionalflughaefen-kosten-steuerzahler-milliarden
(3) Jahresabschlussberichte